Bürgerinformation-2026-03

(von Rudolf Ehlers 24.03.2026)

Liebe Nübbelerinnen und Nübbeler,

Die neue Lupe – März 2026

(ein Mitteilungsblatt des BF-Nübbel)
ein Heft voller Sonnenschein, während die politischen Fragen im Schatten welken.
Die neue Lupe ist da – und sie strahlt.
Wirklich.
So viel Solarenergie war selten in einem Dorfblatt. Balkon-PV hier, Wärmepumpe da, ein bisschen Biodiversität, ein paar Blumenzwiebeln, ein Schwalbenschwanz, der sich vermutlich wundert, warum er plötzlich als Symbol der Energiewende herhalten muss. Dazu die Food Coop, die zeigt, dass man in Nübbel immerhin weiß, wie man Möhren gemeinschaftlich einkauft.
Kurz: Die Lupe ist ein Heft, das so viel Harmonie versprüht, dass man fast vergisst, dass es in Nübbel auch Politik gibt.
Fast. Denn während die Bürgerinnen und Bürger erfahren, wie man eine Wärmepumpe streichelt oder eine Raupe glücklich macht, bleibt ein Thema konsequent ausgespart: Was macht das Bürgerforum eigentlich im Gemeinderat? Man könnte meinen, die Fraktionsarbeit sei ein streng gehütetes Geheimnis, irgendwo zwischen Aktenvernichter und Nebelmaschine. Kein Wort zu Beschlüssen, keine Positionen, keine Einordnung. Die BFN-Bürgermeisterin? Offenbar in der Lupe nur als Konzept bekannt, nicht als handelnde Person. Vielleicht arbeitet die Fraktion ja so effizient, dass sie gar nichts mehr berichten muss. Oder sie hat ein neues politisches Prinzip entwickelt: Transparenz durch vollständige Unsichtbarkeit.
Doch der eigentliche Höhepunkt der Auslassungen kommt beim Thema Energie. Das Bürgerforum, das den Bürgerentscheid gegen Windenergieflächen mit voller Kraft vorangetrieben hat, erklärt in der Lupe mit beeindruckender Konsequenz nicht ein einziges Mal, wie Nübbel nun seine Klimaziele erreichen soll. Stattdessen wird Solarenergie gefeiert, als könne man damit die gesamte Gemeinde mit einem überdimensionierten Balkonmodul versorgen. Man wartet förmlich auf den Satz:
„Windkraft? Ach was. Wir haben doch Dill.“
Dass diese Frage in einer Ausgabe voller Energiethemen komplett ignoriert wird, ist schon fast Kunst. Politische Origami: Man faltet die Realität so lange, bis sie nicht mehr sichtbar ist. So bleibt die neue Lupe ein Heft voller guter Laune, engagierter Bürger und strahlender Zukunftsvisionen – solange man nicht wissen möchte, wie die politische Gegenwart aussieht. Oder wie die Energiewende funktionieren soll, wenn man den größten Energieträger der Region vorher per Bürgerentscheid entsorgt hat. Aber hey: Hauptsache, die Blumenzwiebeln sitzen.